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Lucius Annaeus Seneca
De Beneficiis / Über die Wohltaten (ca. 60)
In: L. Annaeus Seneca, Philosophische Schriften, übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Manfred Rosenbach, Bd. 5
Darmstadt (WBG), 2. Aufl. 2011
Buch III: [Über Undankbarkeit]
Undankbar ist, wer eine Wohltat empfangen zu haben bestreitet oder verleugnet oder sie nicht vergilt [obwohl er könnte]. Am undankbarsten aber ist, wer die Wohltat vergisst. (III.I.3 S. 215f.) Die anderen wissen darum, dass sie Dank schulden. Sie verspüren deshalb ein schlechtes Gewissen (mala conscientia) und werden durch ihre Scham (pudor) erinnert an ihre Schuld. (III.I.4 S. 217) Der wichtigste Grund für das Vergessen ist das Begehren, das immer auf das gerichtet ist, was noch fehlt und jenes nicht beachtet, das wir schon haben. (III.III.1 S. 219)